Warum Telegram unser Büro aufgeräumt hat, und nicht Whatsapp

Screenshot der Website www.telegram.org
Programmübersicht, Screenshot der Website www.telegram.org

Wir wurden immer wieder gefragt, ob wir auch über Whatsapp erreichbar sind – wir sind es nicht. Seit 2013 benutzen wir den Whatsapp-Klon Telegram, der seit einem guten Jahr konkurrenzlos gut ist, und unsere Freundes- und Kollegenkreise nutzen ihn mittlerweile auch anstatt Whatsapp. Telegram hat Skype abgelöst und ersetzt zunehmend sogar die Kommunikation per E-Mail, deren technisches Prinzip seit 30 Jahren unverändert ist und in vielen Fällen nur kompliziert handhabbar ist.

Innovativ!

Telegram ist innovativ – neue Funktionen, die in rasantem Tempo eingeführt werden, werden von anderen Messengern, auch von WhatsApp, regelmäßig »übernommen«. Mittlerweile können Sie darüber in ausgezeichneter Qualität und verschlüsselt telefonieren, können in Gruppen und Broadcast-Kanälen wichtige Nachrichten für alle Benutzer anheften (sichtbar halten), ebenso können Sie Ihre wichtigsten Kontakte in der Kontaktliste anheften, um sie immer oben zu halten.

Haben Sie schon mal eine verstreute Gruppe koordiniert? Alle oder einzelne Teilnehmer können Ihren Live-Standort untereinander teilen. Das funktioniert auch mit gedrosselter Mobilverbindung zuverlässig. Sie wissen dann immer, wo sich welche Person gerade befindet.

Warum kein Whatsapp?

Zum vernünftigen schriftlichen Unterhalten, für den Austausch von Nachrichten, möchte man manchmal konzentriert schreiben können – das kann man am Smartphone nicht. Whatsapp ist als Kurznachrichtendienst für unterwegs konzipiert, für schnelle Sätze und einige Fotos, nur am Smartphone. Darüber hinaus gehört Whatsapp zu Facebook, die anfallenden Metadaten (wer mit wem zu welcher Zeit und an welchem Ort wie oft Nachrichten austauscht) werden analysiert und verkauft. Das kann privat okay sein, im geschäftlichen Umfeld ist es das unserer Ansicht nach aber nicht.

Damit ist auch die Gegenfrage schon zum Teil beantwortet: Warum Telegram? Privat von dem in seinem Heimatland »verfolgten« Russen Pavel Durov als damals fehlende sichere Whatsapp-Alternative gegründet und als (Briefkasten-) Firma in Berlin sitzend, mit »Open-Source«-Schnittstelle, ist es ein Stück vertrauenserweckender.

Es läuft überall

Praktisch: Vorschaubilder und Dateien, zur Abstimmung in eine gemeinsame Arbeitsgruppe geladen.
Praktisch: Vorschaubilder und Dateien, zur Abstimmung in eine gemeinsame Arbeitsgruppe geladen.

Ein weiterer und der wohl größte Vorteil, der in unserem Büro mit Linux- und Mac-Systemen (aber kein Windows) den entscheidenden Vorteil darstellt: Telegram funktioniert auf dem Smartphone, dem Tablet, dem PC und dem Laptop, egal ob Windows, Apple oder Linux bzw. Android. Dabei sind alle ausgetauschten Nachrichten synchronisiert – Beispiel:

  1. Kundin X schreibt, sie benötige ein PDF eines Entwurfs.
  2. Wir lesen diese Nachricht unterwegs auf dem Smartphone und antworten schnell, dass wir bald im Büro sind.
  3. Im Büro sitzen wir am Rechner, öffnen Telegram und sehen, dass die Kundin uns noch eine Korrektur mitteilt.
  4. Wir erstelle also das PDF und verschicken es über Telegram an die Kundin.
  5. Die Kundin sitzt jetzt zuhause auf der Couch und empfängt das PDF am Tablet, schaut es sich kurz an und bestätigt uns die Richtigkeit.
  6. Die Bestätigung lesen wir auf dem Balkon am Laptop sitzend in Telegram.
  7. Die Kundin kann das PDF am nächsten Tag an ihrem Rechner aus Telegram
    laden und verwenden.
  8. Alle freuen sich über synchrone Nachrichten.

Das klingt erst mal verwirrend, macht aber vieles einfach: Man kann Telegramm auf beliebig vielen Geräten benutzen und hat alle Nachrichten (und Bilder bzw. Dateien) immer griffbereit.

Gemeinsames Diskutieren in Gruppen

Im beruflichen Umfeld sind Diskussionsgruppen schnell für verschiedene Projekte erzeugt. Hier können alle Kollegen Ideen austauschen, Skizzen und andere Daten hochladen. Auch privat bieten sich Gruppen für Vereine, Freundeskreise und die Familie an (wenn mal will mit bis zu 20.000 Gruppenmitgliedern).

Brauche ich ein Smartphone?

Jein. Telegram aktivieren Sie erstmalig über die Smartphone-App. Danach lässt es sich auf beliebigen Geräten benutzen.

Übermittelte Medien sind getrennt aufrufbar, Inhalte kann man schnell durchsuchen.
Übermittelte Medien sind getrennt aufrufbar, Inhalte kann man schnell durchsuchen.

Heißt: Auch die Tochter, die nur ein Tablet und ein einfaches Handy hat, kann mit Familie und Freunden über Telegram kommunizieren – oder der eingefleischte PC-Nutzer, der einfach einen großen Bildschirm und eine echte Tastatur bevorzugt.

Oder konkret hier im Büro: Auf zwei Iphones, einem Ipad, zwei Linux-Rechnern und einem Mac-Book läuft Telegram synchron.

Wer auch für “Fremde” erreichbar sein will, die die eigene Handynummer nicht gespeichert haben oder erhalten sollen, richtet sich einfach einen Benutzernamen ein. Unserer ist frei ausgedacht “JWPGH” (Jan Weinmann Produktgestaltung, Hannover). Wer diesen Benutzernamen bei Telegram eingibt, kann uns schreiben, wenn wir die Unterhaltung akzeptieren – ein Blockieren bei unerwünschten Nachrichten ist natürlich möglich.

Warum ersetzt Telegram E-Mails?

Telegram auf dem Desktop-PC mit Link- und Bild-Vorschau
Telegram auf dem Desktop-PC mit Link- und Bild-Vorschau

E-Mail-Programme sind aus »historischen« Gründen nicht sehr übersichtlich, das Prinzip hinter E-Mails ist auf wenige einseitige Nachrichten ausgelegt – nicht auf Unterhaltungen, wie sie heute digital geführt werden können.

Vor allem aber fehlt bei E-Mails die Rückmeldung über die Zustellung, bei Telegram wird dies angezeigt. Immer schärfere Spam-Filter-Regeln lassen so manche E-Mail nicht durchkommen, bei ganz wichtigen Nachrichten telefonieren wir hinterher.

Dazu kommt oft eine Größenbeschränkung von rund 30 MB pro E-Mail, für den Dateiaustausch kaum zu gebrauchen. Telegram schaufelt »mal eben« bis zu 1,5 GB hin und her, ohne Download-Pflicht, im Gegensatz zu E-Mail-Anhängen.

Großansicht eines Bilds mit Bildunterschrift.
Großansicht eines Bilds mit Bildunterschrift.

E-Mails funktionieren hingegen Anbieter übergreifend, Telegram setzt auf ein eigenes Nachrichten-Universum.

Mit Telegram kann man sich unterhalten, in einem übersichtlichen Nachrichtenverlauf, mit schnellem Durchblättern und aufgeräumter Oberfläche. Man kann beliebige Dateien verschicken – nicht nur Bilder, sondern auch Word-Dokumente, PDFs, Videos und beliebiges Arbeitsmaterial. Diese Dateien sind auch synchron auf allen eigenen Geräten abrufbar, die Daten werden platzsparend komprimiert (bei E-Mails werden Dateianhänge hingegen größer). Es gibt eine leistungsstarke Volltextsuche und einen unglaublich schnellen Programmstart.

Unter web.telegram.org kann man an jedem internetfähigen Gerät, auch in der Firma oder bei Bekannten, ohne Programminstallation seine eigenen Gespräche abrufen und mit Kontakten schreiben.

Das ist ziemlich sicher

Da der Fokus unter anderem auf Sicherheit liegt, ist jede Kommunikation mit dem Server verschlüsselt. Es besteht zudem die Möglichkeit geheimer Nachrichten mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, mit auf Wunsch selbstzerstörenden Nachrichten.

E-Mails bieten dieses Sicherheitsniveau nur mit hohem technischem Aufwand, im Alltag wird eine Verschlüsselung in der Regel nicht benutzt.

Telegram bietet viele weitere hochinteressante Funktionen an, wie integrierte Web-Suche nach klassischer Musik inkl. Anhören, eingebaute schnelle Video-Player, eine Wikipedia-Suche, Inhaltsvorschau verschickter Links und natürlich auch amüsante Spaßfunktionen wie Sticker-Bilder u. ä.

Es verbraucht auf dem Smartphone oder Tablet kaum Speicherplatz oder Datenvolumen, größere Inhalte werden nur nach einem Klick geladen – es ist sogar intuitiv bedienbar, Whatsapp-Nutzer werden Parallelen erkennen.

Wo kann ich es bekommen?

Viele weitere Funktionen und Vorteile sind kurz und bündig auf der Telegram-Website beschrieben. Es werden auch alle Programme aufgelistet: für die PCs mit Windows und Apple-Systemen, für iPhone und iPad, für Android-Geräte usw.

Telegram ist und bleibt übrigens kostenlos und ist werbefrei, so sagt man dort. Finanziert wird es auch über Sonderdienste für Firmen.

Geht es denn auch noch ohne Telegram?

Natürlich – wir benutzen auch weiterhin E-Mails, das Telefon, sogar das Fax und Briefpost – das alles sogar sehr gerne.

Die Frage nach Whatsapp haben wir jetzt wenigstens ausführlich beantwortet und wir freuen uns über dieses Werkzeug, was digitale Kommunikation ein ganzes Stück einfacher macht.

Natürlich macht das Ganze erst richtig Spaß, wenn so viele Kontakte wie möglich Telegram benutzen, die parallele Verwendung mit anderen Messengern ist fürs vorsichtige Ausprobieren natürlich möglich. Das Weitersagen ist dementsprechend vollkommen in Ordnung.

Im zweiten Teil setzen wir uns mit fehlenden AGB, den Durovs und ein wenig Untergrund und Anarchie auseinander …